
Ich habe im Rahmen meines Illustrationsstudiums an der HAW Hamburg das Wintersemester 2007/08 im Fine Arts Department an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem/Israel verbracht.
Die Kunstakademie befindet sich auf dem Campus der Hebrew University, die außerhalb der Stadt auf dem Mount Scopus im Osten Jerusalems liegt.
Wenn man regulär an der Bezalel studiert, muss man sich strikt an die Kurse halten, die im jeweiligen Department angeboten werden. Uns Austauschstudenten war es jedoch freigestellt, welche Kurse wir wählen, solange die Professoren einverstanden und die Kurse noch nicht komplett belegt waren.
Die Hälfte meiner Kurse hatte ich in meinem Department (einen „Painting“ Kurs und einen sogenannten „Meeting Point“, beide bei Irit Hemmo), die andere Hälfte im Visual Communication Department („Experimental Typography“ bei Avi Eisenstein und „Watercolor Painting“ bei Marek Yanai). Außerdem hatte die Bezalel für alle Austauschstudenten einen Theoriekurs zur Geschichte Jerusalems eingerichtet, in dem wir jeden Sonntag kulturelle und politische Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten Jerusalems besucht haben. Sonntag ist in Israel ein regulärer Arbeitstag, an der Bezalel der Tag, an dem alle Theoriekurse stattfinden. Dafür sind Freitag und Samstag (Shabbat) frei.
Unterrichtet wird hauptsächlich auf Hebräisch, es ist aber eigentlich immer mindestens ein Student dabei, der einem alles auf Englisch übersetzt. Es ist jedenfalls kein Problem, wenn man kein Hebräisch spricht.
Das Kursangebot im Visual Communication Department ist, soweit ich das beurteilen kann, unserem an der HAW sehr ähnlich. Im Fine Arts Department kann man, neben technischen Kursen für Malerei, Zeichnen, Bildhauerei und so weiter, „Meeting Points“ belegen. Das bedeutet, dass man selbständig völlig frei in der Art des Projektes arbeitet und alle 2 bis 3 Wochen einen Einzelgesprächstermin mit seinem Professor vereinbart, um die Arbeiten zu besprechen. Ich habe das als gute Ergänzung zu meinem Studium empfunden.
Außerdem gibt es eine große Auswahl an Studiengängen. Der Austausch dort ist also ideal, wenn man zum Beispiel mal ein Semester etwas anderes ausprobieren möchte. Das Angebot beinhaltet unter anderem Fine Arts, Visual Communication, Photography, Video, Animation, Installation, Ceramics, Fashion, Jewlery Design und anderes. Die vielen Werkstätten (Siebdruck, Holzwerkstatt, Metallwerkstatt etc.) können ebenfalls genutzt werden.
Gewohnt habe ich im Studentenwohnheim direkt neben dem Universitätsgelände, was ich allerdings nicht so sehr empfehlen kann. Man ist mit dem Bus ca. eine halbe Stunde vom Stadtzentrum entfernt und wohnt in einem von zehn, nicht gerade schönen, anonymen Hochhäusern in einer 5er WG.
Vorteilhaft daran ist, dass man relativ günstig wohnt (ca. 250 Euro im Monat) und man sich nicht wochenlang durch hebräische Wohnungsanzeigen quälen muss. Aber es gibt wahnsinnig schöne Wohnungen im Stadtzentrum von Jerusalem, für die sich das durchaus lohnt. Die Preise kann man in etwa mit denen in Hamburg vergleichen.
Viele Bezalel-Studenten und -Professoren wohnen allerdings in Tel Aviv, weil sich hauptsächlich dort die Kunst- und Kulturszene Israels befindet und man, nicht wie in Jerusalem, von dem ständigen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, den verschiedenen religiösen und politischen Ansichten etc. kaum etwas mitbekommt.
Für das halbe Jahr fand ich es jedoch interessanter, in Jerusalem zu leben und die verschiedenen Kulturen, Religionen und Sichtweisen kennen zu lernen. Im westlichen Tel Aviv ist alles doch recht ähnlich, wie bei uns. Nur wärmer natürlich und mit Mittelmeerstrand.
Von Jerusalem aus ist man übrigens schnell am Toten Meer oder in Tel Aviv, aber auch nach Ramallah, Jericho und zu anderen Städten in der Westbank ist es nicht weit, die absolut einen Besuch wert sind.
Und wenn man zum Beispiel dem Shabbat in Jerusalem, an dem der westliche Teil der Stadt völlig ausgestorben ist, entkommen möchte, kann man immer noch schnell und günstig mit einem Sammeltaxi runter nach Tel Aviv ans Meer fahren und feiern gehen.
Ich kann den Austausch nach Israel jedenfalls nur empfehlen.